Veröffentlicht 2010 auf kolumbienblog.org
Konflikt mit Venezuela und anderen Nachbarn
Kolumbien ist in Südamerika politisch eher an den Rand gedrängt. Während in den meisten Ländern Südamerikas linke oder sozialdemokratische Regierungen an der Macht sind, ist die kolumbianische Regierung eher rechts der Mitte angesiedelt. Die Entscheidung den USA Nutzungsrechte und dauerhafte Präsenz in 7 kolumbianischen Militärstützpunkten zu gewähren, hat für weiteren Unmut auf dem Kontinent gesorgt. Venezuela nutzt diese Isolierung Kolumbiens aus, um den verbalen Konflikt mit dem Nachbarn zu verschärfen, wohl hauptsächlich um von den eigenen innenpolitischen Problemen abzulenken. Die Blockade kolumbianischer Güter durch Venezuela sorgt für Druck auf die kolumbianische Exportwirtschaft, da Venezuela nach den USA bisher der wichtigste Export Partner Kolumbiens war.
2010 muss Kolumbien eine weitere Isolierung innerhalb Südamerikas verhindern und den Dialog mit den Nachbarn, einschließlich Venezuelas, suchen.
Arbeitslosigkeit
Die (geschönte) offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 10.8% (November 2009). Mehr als 2 Millionen Kolumbianer sind damit arbeitslos. Viele Menschen die nicht in der Statistik auftauchen sind “sub empleados” (unterbeschäftigt). Zusammen mit den Arbeitslosen birgt die Masse von Unterbeschäftigten sozialen Sprengstoff, da diese Arbeitsverhältnisse kein menschenwürdiges Dasein erlauben.
Wirtschaftswachstum
Kolumbien wird 2009 wahrscheinlich mit einem Wachstum zwischen 0 und 0.5% abschließen. Die damit verbundenen Steuerausfälle und der Anstieg der Arbeitslosigkeit haben das Land hart getroffen. Positiv bleibt anzumerken, dass die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise an Kolumbien im Vergleich zu anderen Ländern relativ gut davongekommen ist.
2010 sollte das Wachstum auf mindestens 3.5% steigen um weitere Steuerausfälle und einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern.
Infrastruktur
Ein ganz schlechtes Jahr war 2009 für die Infrastruktur des Landes. Nicht einmal die Autobahnen zwischen Bogotá – Girardot und Bogotá – Tunja sind fertig geworden. Andere wichtige Projekte wie der Tunnel der “Linea” (bindet die Pazifikküste schneller an Bogotá an) und die viel beschworene “Ruta del Sol”, eine zwei spurige Autobahn von Bogotá bis zur Atlantikküste sind noch immer in Planung bzw. Ausschreibung. 2010 wird es hoffentlich möglich mit diesen Projekten zu beginnen bzw. andere fertigzustellen.
Außerdem sollte schnellst möglich mit dem Bau des neuen Terminals im Flughafen in Bogotá begonnen werden. Der alte Terminal aus den 50er Jahren ist reif für den Abriss und wird wohl ersetzt werden.
In Bogotá beginnt 2010 die Planung der ersten U-Bahn Linien und die neue Transmilenio Strecke in der Calle 26 zum Flughafen sollte fertiggestellt werden.
Die FARC und die Geiseln
2009 sind die FARC geschwächt und viele Geiseln, unter anderem Ingrid Betancourt, auf militärischem und diplomatischem Weg befreit worden. Viele wichtige Führer der FARC haben 2009 ihr Leben verloren. Dennoch bleiben die FARC eine Gefahr wie der jüngste Mord an Luis Francisco Cuéllar, dem Gouverneur von Caqueta, zeigt. Aufgrund der Wirtschaftkrise musste 2009 selbst Uribes Prestigeprojekt der Sicherheitspolitik “La seguridad democratica”, der Versuch die FARC auf militärischen Weg zurück zu drängen, zurückstecken. Mit Hilfe von Sondersteuern auf hohe Einkommen und Vermögen, soll jedoch das nötige Kapital für dieses Projekt auch 2010 bereit stehen.

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